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Film: Axolotl Overkill

 

Regie: Helene Hegemann

Im Kino ab: 29. Juni

Länge: 94 min

FSK: 12

 

Meine Kritik

 

Mifti ist 16, sieht aus wie 12, verhält sich wie 30, wohnt mit ihren Halbgeschwistern in einer Wohngemeinschaft, findet Schule überflüssig und liebt und feiert stattdessen den ganzen Tag. Als sie eine Obsession für eine sehr viel ältere Frau entwickelt gerät das sonst schon so chaotische Leben der 16 jährigen vollends aus der Bahn. Aber wie soll sie auch erwachsen werden können, wenn alle erwachsenen um sie herum sich ebenfalls wie pupertierende Kinder verhalten, die einen glauben die Welt geht unter die anderen sind frustriert und verzweifelt. Ihre neue Freundin Ophelia ist Schauspielerin und Drogenabhängig, nicht gerade der richtige Weg der ins erwachsen sein führt, aber Mifti ist schon längst verloren zwischen Techno Lärm und gleißend hellem Licht.

 

Den Namen erhält der Film wie das Buch von einem Lurch der nicht erwachsen werden kann, eine schöne Metapher die sich im Laufe des Films offenbart. Und so außergewöhnlich wie der Titel, ist auch der Film, von einer manchmal verwirrenden Kameraführung bis hin und einer sehr chaotisch nicht wirklich nachvollziehbaren Handlung versucht der Film zwar auf eine komödiantische Art den schmalen Grad zwischen Erwachsenen und Kindern herzustellen, was ihm nur teilweise gelingt. Manchmal hat man das Gefühl das Szenen nur angedacht, aber nicht zu Ende gebracht werden. So zum Beispiel eine Szene in der jemand in einen Krankenwagen geschoben wird und weder klar ist wer das ist, noch inwieweit das etwas mit dem Film zu tun hat, ein Auflösung folgt leider nicht. Oder in einer Szene wo die Kamera sich auf das Gesicht von Jasna Fritzi Bauer zubewegt, dann wieder wegbewegt, als ob diese eine Bewegung nicht hätte stattfinden sollen um sich danach zu wiederholen. Die junge Autorin, Regisseurin und Schauspielerin scheint in ihrem 2. Film nicht wirklich zu wissen wohin es geht. Ich kann keine Parallelen zum Buch ziehen, da ich es nicht gelesen habe, weiß also auch nicht wie dort der Inhalt aufgebaut ist, aber in dem Film werden wir oft nur in Situationen hineingeworfen, müssen selbst die Schlüsse ziehen und sind doch nur Zuschauer eines Schauspiels, das sich uns nicht ganz erschließen mag. Einzig die Schauspielerische Leistung darf hoch gelobt werden. Jasna Fritzi Bauer, Laura Tonke, Mavie Hörbiger und Nikolai Kinski ergeben einen farbenfrohen Cast der sich ergänzt und harmoniert. Man kann den Film wie einen Rausch beschreiben, er fesselt, er fasziniert aber am Ende fühlt man sich etwas schwindelig und die letzten Minuten des Films sind genauso schnell vergessen wie das Meiste vom Inhalt. Nur ein paar markante Sequenzen bleiben bildlich hängen: Ein Pinguin der durch die Wohnung watschelt, Möbel die sich als Puppenmöbel entpuppen, schräge und liebevolle Begegnungen zwischen Halbgeschwistern. Die Frage ist nur, sind alle jungen Leute heute ständig bekifft, betrunken, in Clubs unterwegs oder abhängig von Zigaretten, gehen nicht zur Schule und versuchen die Gegenwart zu verdrängen? Und wenn es dann mal spannend und anders wird, wie die Beziehung von Mifti zu einer sehr viel älteren Frau, wird dieser Handlungszweig fast gänzlich begraben und völlig zusammenhangslos immer wieder eingefügt. Muss man Kunstliebhaber sein um diesen Film zu verstehen oder zumindest gefallen an ihm zu finden? Axolotl Overkill ist ein verwirrendes Filmdrama das durchaus gemischte Gefühle auslöst, aber pure Begeisterung sieht anders aus.

 

Meine Meinung: