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Film: Berlin Falling

 

Regie: Ken Duken

Im Kino am: 13, 14 und 15.7

Länge: 91 min

FSK: 16

 

Meine Kritik

 

Frank, ehemaliger Soldat nun Alkoholabhängiger, fährt ein Tag vor Weihnachten nach Berlin um seine Tochter über die Feiertage zu sich zu holen. Als er an einer Tankstelle hält um sein Auto ein wenig komfortabler aussehen zu lassen, trifft er auf Andreas, der eine Mitfahrgelegenheit nach Berlin sucht. Frank nimmt ihn widerwillig mit, nicht ohne zu betonen, das er nicht gesprächig ist und laut Musik hört. Andreas versucht trotz allem ein Gespräch zu starten, was in einem kleinen Streit eskaliert, bei dem Andreas Rucksack von der Rückbank rutscht und dessen Inhalt offenbart: eine Bombe. In Frank schrillen die Alarmglocken des Soldaten und er versucht Andreas zu überwältigen, dieser zieht allerdings eine Pistole. Von nun an hat Andreas das sagen, denn sollte er nicht in Berlin ankommen wird Frank seine Tochter nie wiedersehen. Eine lange Autobahnfahrt liegt vor ihnen, in der Frank nicht nur sich selbst besser kennen lernt, während er um das Leben seiner Tochter und sein eigenes kämpfen muss.

 

Ken Duken will Filme machen die nicht das typisch deutsche Publikum anziehen, die vielleicht auch für sehr viele unterschiedliche Meinungen sorgen, aber er will eben auch Filme machen die er selbst gut findet, hinter denen er steht. Mit Berlin Falling ist ihm ein spannungsgeladener, klaustrophobisch dicht erzählter Thriller gelungener, der fast schon einem Kammerspiel gleicht. Ken Duken als Frank und vor allem Tom Wlaschiha als Andreas spielen in Höchstform und zeigen dabei ganz neue Gesichter. Wenn Gefühle explodieren, aus Andreas ausbrechen, bekommt man es schon mit der Angst zu tun, und so hält sich, auch wenn die Spannung zwischendurch gerne mal wegbricht, zumindest die angespannte Stimmung den ganzen Film über. Düster, kalt, nicht nur draußen wo Winter herrscht, sondern auch im Auto wo die Stimmung merklich abkühlt, nachdem Andreas sein wahres Ich offenbart hat, da wird die Stundenlange Autofahrt zum Gänsehaut Trip, bei dem man nie weiß was als nächstes passieren wird, wann Andreas seine Kontrolle über sich selbst verliert. Und während Berlin und die weihnachtliche Deko der Hauptstadt an den Fenstern vorbeirauscht, kommen wir dem Ziel näher, dem Finale, bei dem nicht immer die Handlungen von Andreas nachvollziehbar/verständlich sind, aber zumindest das was er sagt die Grundstimmung einfängt, wenn es auch sehr abgedroschen klingen mag. Es ist auf jeden Fall ein Film geworden den man so aus dem deutschen Raum selten sieht. Die Kameraführung, mehr amerikanisch gehalten, was Duken so erklärt, dass die deutschen meistens alles zu perfekt durchplanen, jeden Kameraschwenk, jeden Schritt und das es nicht darum geht alles perfekt einzufangen, sondern bestimmte Moment zu kreieren, die meisten eher spontan stattfinden. Der ganze Film erinnert eher an international gedrehte Projekte, als an die meist sauberen, perfekten deutschen Filme, und mit Tom Wlaschiha in der Hauptrolle haben sie auch ein internationales Gesicht, das den Film repräsentiert. Vielleicht schafft Duken damit sein Ziel zu erreichen, die deutschen auch für Genrekino zu interessieren, weg von den romantischen Komödien, hin zu den mutigen experimentellen Sachen, die meistens viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Den Schritt den Duken mit dem Film macht, in den er und sein Team viel Arbeit gesteckt haben, ohne wirklich Unterstützung zu finden, finde ich nicht nur mutig, sondern auch wichtig und richtig. Ich hoffe das hier viele dem Beispiel folgen werden, denn erst wenn man sich ausprobiert, frischen Wind ins Kino bringt, wie viele der jungen Absolventen der Filmhochschulen, die noch unverbraucht sind, noch nicht das große Geld vor Augen haben, sondern ihre Ideen, dann kann man vielleicht auch wieder mehr Leute fürs deutsche Kino begeistern. Und auch wenn Berlin Falling durchaus seine Schwächen hat, sind es die Stärken des Films, die ihn unbedingt sehenswert machen!

 

Meine Meinung: