Film: Die beste aller Welten

 

Regie: Adrian Goiginger

Im Kino ab: unbekannt (Weltpremiere auf der Berlinale)

Länge: 103 min

FSK: nicht bekannt

 

Meine Kritik

 

„Sucht is wenn ma wos hot und des donn unbedingt wieder hobn muas.“

 

Adrian ist sieben und weiß jetzt schon was er unbedingt werden will: Abenteurer. Gerne sitzt er zusammen mit den Freunden der Mutter um ein Lagerfeuer, jagt kleine Felsbrocken in die Luft um auf den scharfen Kanten Speerspitzen zu formen. Er weiß, dass mit seiner Mutter etwas nicht stimmt, sie ist manchmal sehr müde und dann wieder total aufgekratzt, aber das stört ihn nicht. Viel mehr stört ihn der Dämon, der in einer Höhle angekettet wurde und den er jagen und töten muss. Manchmal besucht sie ein Mann, der überprüft ob die Wohnung sauber ist, Adrians Mutter sagt das es ein Untoter sei, der kein Spaß in seinem Leben hat und ihnen deswegen auch keinen Spaß gönnt. Und dann ist da noch der Grieche, vor dem hat Adrian Angst, seit dieser versucht hat ihn zum Trinken zu zwingen, aber seine Mutter war da und hat ihn beschützt, so wie sie das immer tut. Und zwischen der mit Leinentüchern abgedunkelten Wohnung und den Zaubertrankstunden mit seiner Mutter liegt die Welt, die sie ihm schafft und in der er sicher ist: eben die beste aller Welten.

 

Mit der erzählerischen Kraft eines Orkans verfilmt Adrian Goiginger seine Kindheit und bringt dabei nicht nur die Traumwelt eines Kindes gelungen herüber sondern zeigt auch Abgründe in die jeder von uns stürzen könnte. Bildgewaltig und stark bis ins kleinste Detail, Goigingers Spielfilmdebüt verschlägt uns zeitweise die Sprache obwohl, gewollt oder nicht, er meist die heftigsten Bilder umgeht. Es sind die unterschwelligen Töne die hier viel ausmachen, das was man nicht sieht, das Gefühl sich schmutzig zu fühlen ohne es zu sein. Den Film im österreichischen Dialekt zu sehen war erfrischend, wenn auch nicht immer verständlich. Vielleicht schafft es „Die beste aller Welten“ gerade deshalb, dass man über die absurdesten Situationen lacht, auch über jene die eigentlich nicht lustig sind. Man möchte die Leute zwar amüsieren, zum Lachen bringen, aber es ist spannender, jemanden dann in einem Genre zum Lachen zu bringen, das dafür eigentlich untypisch ist, meinte Florian David Fitz einmal und sol Recht behalten. Das besondere an Goigingers Geschichte ist keinesfalls die Geschichte an sich, passiert sie in Deutschland doch leider viel zu oft, aber es ist die Liebe die darin steckt, die Liebe zur Mutter, die Liebe zum Sohn, die Liebe zu jeder kleinsten Geste, zum Leben, zum Abenteurer sein bis in jede kleinste Faser. Wir werden verführt, süchtig gemacht von Bildern die einen nicht mehr loslassen, Dialogen die das Leben schrieb und die gefühlsvoller, schöner und manchmal auch grausamer nicht sein könnten, von einem jungen Darsteller der in seiner Rolle aufgeht, der Goigingers Kindheit zu seiner macht und dabei nie gekünstelt wirkt. Viel zu oft wartet man auf so einen Film aus Deutschland und wieder einmal fühle ich mich bestärkt in meinem Gefühl, das vor allem die jungen Filmemacher noch den Mut besitzen Geschichten zu verwirklichen die anstoßend sein könnten, aber auch das gewisse Etwas haben, die nicht für ein Millionenpublikum produzieren, sondern für den Glauben in ihre Idee. Und Goiginger beweist: wenn man Abenteurer werden will, dann wird man eben Abenteurer und natürlich ist das ein echter Beruf!

Danke das du Abenteurer geworden bist Adrian Goiginger!

 

Meine Meinung: