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Film: Jugend ohne Gott

 

Regie: Alain Gsponer

Im Kino ab: 31. August

Länge: 114 min

FSK: 12

 

Meine Kritik

 

"Wenn ich die Augen öffne sehe ich die Welt wie sie ist: Verlogen und kalt."

 

Zacharias, kurz Zach, ist seit dem Selbstmord seines Vaters nachdenklicher geworden, er sieht die Welt nun wie sie ist, verlogen und kalt. Während alle in seiner Klasse um das Zertifikat der Rowolt Uni kämpfen, fühlt er sich plötzlich mehr heimlich in den Slums von den anderen Sektoren. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, auch auf der Fahrt zu Rowolt, wo sie an einem Wettkampf teilnehmen an dessen Ende nur wenige von ihnen das Zertifikat erhalten und damit die Chance auf ein besseres Leben. Nadesch, die scheinbar schon länger ein Auge auf Zach geworfen hat, will dabei ihre Gruppe stärken indem sie Zach hilft, doch als er sie dabei erwischt wie sie in seinem Tagebuch schnüffelt endet das ganze vor der Psychologin von Rowolt. Zach steht kurz davor aus dem Camp geworfen zu werden als sich die Ereignisse überschlagen. Sein Tagebuch verschwindet, im Wald sind illegale entdeckt worden und Nadesch wird ermordet. Und inwieweit ist der Lehrer der Klasse, der schon länger an dem System zweifelt, in die Geschehnisse verwickelt.

 

Jugend ohne Gott, ein Klassiker von dem Schriftsteller Horváth. Leider ist es zulange her als das ich einen Bezug zum Buch ziehen könnte. Klar ist eines: Gsponer nimmt die Geschichte mit in die Zukunft, eine Zukunft die an die Tribute von Panem erinnert, ein Land, aufgeteilt in Sektoren, eine Bevölkerung gespalten in Reich und Arm oder an Divergent - die Bestimmung wo nach einem Test und verschiedenen Aufgaben nur eine bestimmte Anzahl an Leuten aufgenommen werden. Somit spricht der Film auch ganz klar eine bestimmte Zielgruppe an. Wir nehmen einen Klassiker und modernisieren ihn soweit, dass sich ihn auch die heutige Jugend gerne anschauen will, dazu nehmen wir beliebte Jungdarsteller, die sich schon einen Namen gemacht haben und heraus kommt ein Kassenschlager. Das könnten die Gedanken der Filmemacher gewesen sein, doch wie sieht die Umsetzung aus. Kalt, glatt, zu perfekt, nur hin und wieder durchbricht Jannis Niewöhner mit seiner brillanten Art, von innen heraus die Gefühle zu zeigen, den kalten Schleier des Szenenbildes. Auch die erzählerische Struktur macht Spaß, während der Film zunächst mehr aus der Sicht von Nadesch erzählt wird, wechselt dies später erst zu Zach und dann zur Lehrerperspektive. Somit bleibt die Spannung, wer was weiß und wer was gemacht hat immer erhalten und wir bekommen die Chance durch die verschiedenen Blickwinkel den Inhalt immer anders betrachten zu können. Was Gsponer auf jeden Fall erschafft ist eine surreale Welt, die auch mit der Ähnlichkeit zu Panem, funktioniert. Weniger gelingt ihm den eigentlichen Kern von Horváths Geschichte wirklich zu vermitteln, spielt im Roman eher der Lehrer die tragende Rolle und seine Sicht auf Gott, geht es im Film eher um eine Gesellschaft die getrieben wird vom Druck, Geld und Ansehen zu haben. Was von Horváths Version übrig geblieben ist, ist das Tagebuch. Statt einen Film der viel auf die Gedankenwelt der Jugend eingeht, auf die Gedankenwelt eines Lehrers, bringt Gsponer die fulminante Sicht auf eine kalte Gesellschaft in den Vordergrund, in der die Action eine weit aus größere Rolle spielt als der Inhalt. Auch wenn wir zum Schluss begeistert sind von dem Thriller der sich auf der Leinwand abspielt, ist es nicht der Grundgedanke des Buches der diesen Film trägt sondern der Leitgedanke einen abenteuerlichen „Blockbuster“ geschaffen zu haben, der nicht langweilig wird und in dem wir durchaus gute schauspielerische Leistungen sehen bis hin zu der spannenden Frage: Wer hat das Tagebuch gestohlen. Solide und als deutscher Sience Fiction Film durchaus gut gelungen und sehenswert. 

 

Meine Meinung: