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Film: Sommerfest

 

Regie: Sönke Wortmann

Im Kino ab: 29. Juni

Länge: 92 min

FSK: nicht bekannt

 

Meine Kritik

 

„Ihr Vater hat einen sehr gnädigen Tod gehabt. Von einer Sekunde zu anderen hörte sein Herz auf zu schlagen. Er hat quasi gar nicht gemerkt das er Tod war.“

 

Stefan, erfolgloser Schauspieler an einem Theater in München, fährt, nachdem er erfahren hat das sein Vater gestorben ist, ohne Umschweife nach Hause. Dort scheint sich seit seiner Abreise nicht viel verändert zu haben außer, dass alle älter geworden, verheiratet sind und Kinder haben.  Lange will sich Stefan nicht in seinem „Heimatdorf“ aufhalten, die geistige Enge, das Spießertum, das ewige Gelaber von Arbeit und Fußball, die niedrigen Häuser und der ganze Dreck, das hat Stefan sicher nicht vermisst, außerdem muss er für das Casting einer Soap umgehend wieder zurück. Doch die 4 Tage in seinem alten Kinderzimmer, mit seinen alten Freunden, lassen ihn nachdenklich werden. Ist er nicht schon zu alt für komplizierte Beziehungen und erfolglose Jobsuche? Und dann ist da ja auch noch Charlie, seine Jugendliebe, die er seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, und auch das Elternhaus das er nicht einfach nur „loswerden“ kann. Zu viel das ihn hält, oder?

 

Sönke Wortmann kann Komödie! In seinem Film „Sommerfest“ hat man nie das Gefühl das die Lacher erzwungen sind, meist kommt der trockene Humor aus der Szene heraus, spontan, fröhlich und frei, genauso wie der Ruhrpott eben so ist. Da stört es auch nicht, wenn Wortmann die Klischees typisiert, denn gelacht wird trotzdem. Von der Szenerie ähnelt der Film „Junges Licht“, nur eben das die Bergbaugesellschaft Vergangenheit ist, die in sich ruhende Gesellschaft allerdings ist geblieben. Nicht nur Lucas Gregorowicz, der den gescheiterten Schauspieler mit so viel Charme spielt das uns warm ums Herz wird, gibt hier eine seiner Leinwandperformance die ihn irgendwie im Gedächtnis hängen bleiben lässt, darüber hinaus ist jede noch so kleine Rolle Top besetzt und das nicht nur mit alten bekannten Gesichtern, sondern auch starken Nachwuchsschauspielern wie Jasna Fitzi Bauer, die man in ihrer feinen kleinen Rolle am Rande kaum wiedererkennt. Wortmann erschafft eine einfache Sommerliebeskomödie die unterhält, Spaß bringt, einen in nostalgische Stimmung versetzt und dabei fast nie enttäuscht. Jede noch so kleine Begegnung zwischen zwei Figuren bringt dabei seine eigne Slapstick Nummer, kein Dialog scheint zu viel, eher bringt es einem dieses Ruhrpott Gefühl noch näher. Musikalisch wie bildlich spiegelt der Film die Einfachheit des Gesamtwerkes wieder, niemand läuft wirklich zu Höchstformen auf, der Genuss beim Zuschauen, wenn zwei Welten aufeinander prallen ist dennoch herrlich. Allein der Figur Charlie hätte ich mehr Leinwandzeit gewünscht, so ist sie einerseits der Mittelpunkt des Filmes und ständig wird über sie geredet, anderseits hat man das Gefühl sie existiere gar nicht und dann taucht eine wirklich schräge Anna Bederke auf. Vielleicht hätte ich mir für die Rolle der Charlie eine andere Wendung gewünscht, vielleicht das sie nur noch in dem Kopf von Stefan existiert, so ist das kurze Geplänkel sehr kurios und will nicht ganz in den restlichen Film passen.

Sehenswert bleibt dieser Wortmann Film trotzdem und wird dabei zum Glück nie typisch Deutsch. Wir können ja irgendwo doch Humorvoll sein, oder es muss einfach nur der richtige bringen!  

 

Meine Meinung: