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Film: The killing of a sacred deer

 

Regie: Yorgos Lanthimos

Im Kino ab: 28. Dezember

Länge: 121 min

FSK: 16

 

Meine Kritik

 

Steven Murphy ist Chirurg, hat ein große Haus, zwei Kinder eine wundervolle Frau, einfach gesagt ein gutes Leben. Doch dann ist da noch Martin, eine Junge dessen Vater einmal auf seinem OP-Tisch lag, dem er ab und zu Geschenke kauft, den er zu sich nach Hause einlädt und auf seinen Wunsch hin auch ihn und seine Mutter besucht. Martin nimmt eine immer größere Rolle in Stevens Leben ein, bis er eines Tages nicht wie verabredet an ihrem Treffpunkt erscheint und auch nicht mehr Martins Anrufe entgegen nimmt. Das hat Folgen. Plötzlich kann Stevens Sohn nicht mehr Laufen und will auch nichts mehr Essen. Zuerst führen sie alle möglichen Tests im Krankenhaus mit ihm durch, doch er scheint gesundheitlich Top fit zu sein. Dann ruft Martin an und erzählt Steven das es von nun an nur noch schlimmer wird, erst sein Sohn, dann seine Tochter und zuletzt seine Frau. Es läuft immer in den selben Phasen ab: zuerst kann man nicht mehr Laufen, dann isst man nichts mehr und zuletzt blutet man aus den Augen. Steven will Martin nicht glauben, als dann dasselbe mit seiner Tochter passiert. Und der Rachefeldzug hat gerade erst begonnen.

 

Die Pressestimmen aus Cannes überschlagen sich mit durchweg positiven Stimmen zu Yorgos Lanthimos neuem Psychothriller. Und nachdem ich den von Kritikern stark diskutierten Film „The Neon Demon“ der auch in Cannes lief gesehen habe, wollte ich mehr obskuren Filmstoff sehen. Cannes scheint da eine kleine Perle zu sein die solche Filme magisch anzieht, denn auch „The Killing of a sacred deer“ ist gänzlich anders und nicht gemacht für die große Masse. Dieser Film ist mein erster von Lanthimos und dementsprechend bin ich ohne große Erwartungen ins Kino gegangen um dann mit tausend Fragen auf der Zunge und noch geflasht von der unglaublich starken Anziehungskraft der Bilder dieses wieder zu verlassen. Denn obwohl dieses Werk dem Genre Psychothriller zugeschrieben wird, kann man nicht eindeutig auf jenes schließen. Wir werden gefangen in einem Film der gegen jede Logik einen Weg einschlägt wo man nicht mehr vorhersagen kann wer was tun wird und wer hier eigentlich der Psychopath ist. Alles fängt schon an mit der orchestralen Musik und einem schwarzen Bild, denn Lanthimos lässt uns warten bis er uns den ersten Happen präsentiert und dann ist es gleichzeitig das interessanteste erste Bild eines Filmes das ich bisher gesehen habe. Ich will hier nichts vorweg nehmen und euch die Freude lassen den Film selbst zu entdecken, denn zu entdecken gibt es viel. Lanthimos benutzt die Musik nicht zur Unterstreichung der Szenen oder bestimmter Emotionen, auch hier handelt er Gegensätzlich wie bei allem anderen in diesem Film. Und so wird die Musik immer chaotischer während wir alltäglichen Situationen zuschauen. Auch die Charaktere handeln anders als wir es erwarten und immer wieder wirft das die Frage auf: Sind denn alle „gestört“? Nach dem ersten sehr ruhigen Viertel des Filmes baut er eine gewisse Dynamik auf, die vor allem durch das Wechselspiel von Collin Farrell und Barry Keoghan zustande kommt, die hier wie alle anderen sehr emotionslos spielen, was eine der vielen facettenreichen Seiten des Film darstellt. Ebenfalls interessant ist die Wahl des Titels und der Inhalt der sich, wenn man sich mit griechischen Tragödien auskennt, jenen Mythos von der Iphigenie erzählt, wo ein König einen Hirsch erlegt und den Göttern dafür seine Tochter opfern muss. Lanthimos schafft es wirklich durch seine ganz andere Herangehensweise an diesen Psychothriller, einen wahnsinnig eindrucksvollen, verwirrenden Film zu erschaffen der zu Gesprächsstoff sorgt und einen leider auch unbefriedigt zurücklässt. Noch nie hatte ich so viele nicht beantwortete Fragen in meinem Kopf. 

 

Meine Meinung: